Risiko Polsprung: Erdmagnetfeld wird immer schwächer und die Experten sind sich über die Folgen nicht einig

Ich verfolge das Thema nun schon eine längere Zeit und dabei wird eines immer deutlicher. Die Experten sind sich darüber einig, dass ein weiterer Polsprung vor der Tür steht, aber was dabei passiert und was dieser für Auswirkungen auf das Leben auf diesem Planeten hat, da sind sie sich leider uneinig. Dies ist auch nicht wirklich verwunderlich, da wir nur wissen das er schon mehrmals stattgefunden hat. Somit bleib uns nur weiterhin die Beobachtung und Spekulation der unterschiedlichen Szenarien und sich darauf so gut es geht vorzubereiten. Auf meiner Suche durch das Web stolperte ich nun über zwei weitere Berichte, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte...


02.11.2016

Risiko Polsprung: Erdmagnetfeld wird immer schwächer

 

Der magnetische Nordpol ist auf Wanderschaft: Jedes Jahr ver- schiebt er sich um 50 Kilometer. Mit diesem Tempo könnte er in 50 Jahren in Sibirien angelangt sein.

 

Der Punkt, an dem die Linien des Erdmagnetfelds senkrecht auf den Erdboden treffen, ist 1838 in Kanada entdeckt worden. Im Gegensatz zu seinem geographischen Pendant ist er zwar ständig auf Wanderschaft, doch hat sich die Geschwindigkeit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich beschleunigt. „Möglicher- weise stehen wir vor einer Polumkehr des Magnetfeldes", sagt der Potsdamer Geophysiker Prof. Hermann Lühr. „Eine Wanderung des magnetischen Pols mit 50 Kilometern pro Jahr ist sehr typisch."

 

Dass das Magnetfeld unter ruckartigen Zuckungen leide, sei ganz normal, hat dagegen die Potsdamer Geophysikerin Monika Korte konstatiert. „Wir können immer noch nicht vorhersagen, wie sich das Magnetfeld wirklich verändert, wir können genaue Änderungen nur für ein paar Jahre vorhersagen - und vor allem, ob es in naher Zukunft wirklich eine Polumkehr gibt oder nicht, ist sehr ungewiss."

 

Seit 1979 hat die Stärke des Erdmagnetfelds nach Satelliten-messungen weltweit um 1,7 Prozent abgenommen - zehn Mal stärker als erwartet. Die Veränderung findet zudem nicht gleichmäßig statt: Über dem Südatlantik ist die Feldstärke um zehn Prozent gesunken. Auch über der Karibik ist das Feld deutlich schwächer geworden und damit der Schutz des Magnetfelds vor kosmischer Strahlung: Wer nach Südamerika über den Atlantik fliegt, belastet seine Gesundheit durch die stärkere kosmische Strahlung etwa so stark wie auf 1000 Flügen in den Fernen Osten. In anderen Regionen nimmt die Feldstärke entgegen dem globalen Trend ganz leicht zu.

 

Aus zwei Polen können auch Dutzende werden

„Das Magnetfeld bewegt sich von einer geordneten Struktur weg zu einer Struktur mit mehreren Polen", erläutert Lühr. „Vor einer Umpolung gab es immer eine Phase mit mehreren Polen." In der Erdgeschichte ist das irdische Magnetfeld wiederholt gekippt, im Mittel alle 200.000 Jahre. Die vorerst letzte Umpolung fand vor 700.000 Jahren statt. „Wir hatten in den vergangenen Jahrtau-senden allerdings ein ungewöhnlich starkes Magnetfeld", sagt der Braunschweiger Geowissenschaftler. „Es kann auch sein, dass sich das Erdmagnetfeld jetzt lediglich seinem normalen Niveau annähert."

 

Sollte das Feld tatsächlich kippen, muss die Erde etwa 5000 bis 10.000 Jahre nahezu ohne Magnetfeld auskommen, wie der Münchner Geophysiker Prof. Axel Schult erläutert. „Während dieser Zeit ist das Feld sehr schwach und hat viele Pole." Das wäre vor allem ein Problem für Tiere, die sich am Magnetfeld orien-tieren und nicht auf die Satellitennavigation ausweichen können. „Was dann genau passiert, weiß man noch nicht", sagt Schult. „Ich denke aber, dass etwa Brieftauben und Zugvögel sich daran gewöhnen und dann die Sonne zur Orientierung nutzen."

 

Die stärkere kosmische Höhenstrahlung, die aus einem Bombar-dement elektrisch geladener Atomteilchen aus dem All besteht, macht Schult wenig Sorgen: „Das wäre keineswegs dramatisch. Auch die Lufthülle schützt uns am Erdboden davor." An den magnetischen Polen dringen die schnellen kosmischen Teilchen auch heute in die Erdatmosphäre ein - ohne dramatische Folgen. „Und von einem großen Artensterben während der voran-gegangenen Umpolungen ist nichts bekannt." Die erhöhte Strahlenbelastung könnte aber beim Fliegen eine Rolle spielen.

 

Weit wichtiger wären die Effekte Glaßmeier zufolge für Satelliten und Raumstationen. „Wir breiten uns zunehmend in die Magneto-sphäre aus, etwa mit Kommunikationssatelliten." Strahlungs-bedingte Ausfälle seien nicht unbekannt.

 

 

Quelle: 3Sat, Foto: ESA, ATG Medialab


Forscher überzeugt: Polsprung steht vor der Tür

 

 

Das »Nationale Institut für Geophysik und Vulkanismus« in Rom hat Jahrtausende alte Lava- und Ascheablagerungen untersucht, die einst aus einem urzeitlichen See ausgetreten sind. Diese uralte, erstarrte Lava stammt aus dem sogenannten »Sulmona-Becken« in den Apenninen östlich von Rom und hat die Stärke und Ausrichtung des damaligen Magnetfeldes gespeichert, was unseren heutigen Wissenschaftlern nun gestattet, ein genaues geophysikalisches Bild der damaligen Zeit zu rekonstruieren.

 

Bei dieser Untersuchung konnten die Forscher die bisherigen Ergebnisse anderer Studien weitgehend bestätigen, dass vor ziemlich genau 786.000 Jahren der letzte Polsprung stattfand. Sie fanden zudem heraus, dass sich der Polsprung ohne Übergangsphase oder Zwischenstadien vollzog und weniger als hundert Jahren dauerte. Das sich die magnetische Ausrichtung der Erde derart schnell umgekehrt hatte, war für die Wissenschaftler sehr überraschend.

 

Man weiß zwar bis heute nicht genau, warum die Erde ihre magnetische Ausrichtung ändert aber es gilt als erwiesen, dass sich das Erdmagnetfeld in Zyklen abschwächt und sich dann die Pole umkehren. Als Ursache stehen Veränderungen in dem rotierenden Eisenkern im Inneren unseres Planeten zur Diskussion. Zwar sind die Experten nicht in der Lage, uns vorauszusagen, ob uns auch zukünftig solche schnelle Polsprünge zustoßen könnten aber tatsächlich befinden wir uns augenblicklich erneut in einer derartigen instabilen Phase des Erdmagnetfeldes. Diese auffällige magnetische Abschwächung und die Verschiebung der Magnetfeldachse in den letzten 200 Jahren um ca. 500 Kilometer gegen die Erd-Rotationsachse deuten darauf hin, dass uns eine erneute Polumkehr innerhalb der nächsten 1.000 Jahre bevorsteht aber durchaus auch innerhalb von nur 100 Jahren stattfinden könnte.

 

Welche Folgen eine Polumkehr für uns hätte, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Sehr wahrscheinlich sind aber gravierende Probleme bis zu Totalausfall der globalen modernen Strom- und Kommunikationssysteme. Außerdem könnte das überaus extrem wichtige Schutzschild der Erde gegen gefährliche kosmische und solare Strahlung beschädigt werden, was einem enormen Anstieg von Krebsfällen nach sich ziehen würde.

 

 

© Fernando Calvo, Foto: University of California

Quelle: Science Daily

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