Supervulkane: Vorwarnzeit höchstens ein Jahr – weltweite Vulkanaktivität

Fast scheint es so, als ob Wissenschaftler derzeit eine besondere Freude an bedrohlichen Natur-vorgängen empfinden. In jüngster Zeit häufen sich Berichte über bedrohliche Vulkankatastrophen, Asteroiden und Sonnen-ausbrüche. Eigentlich mögen Forscher solche Katastrophenszenarien überhaupt nicht. Zu sensationsträchtig, zu unseriös. Daher wiegeln sie in derlei Fällen normalerweise eher gerne ab. Und doch zeigt sich die Natur oft voller Brutalität. Viele Vorgänge verlaufen dramatischer als erwartet, auch wesentlich schneller – ob nun bei der Umkehr des Erdmagnetfelds oder Entwicklungsstadien eines Riesenvulkans.

Über eine unerwartete Eigenschaft von Supervulkanen berichten jetzt der Geochemiker Guilherme Gualda von der US-amerikanischen Vanderbilt University sowie sein Kollege Stephen Sutton von der Universität Chicago. Demnach finden besonders katastrophale Vulkanausbrüche anscheinend relativ plötzlich statt. Sämtliche Anzeichen entwickeln sich äußerst schnell, eine größere Vorwarnzeit gibt es also nicht.

 

Natürlich dauert es zunächst sehr lange, bis die Situation akut wird. Die finale Entwicklungsphase eines solchen Riesenereignisses verläuft dann allerdings geradezu blitzartig. Gualda fasst zusammen: »Die Evolution eines gigantischen Magmakörpers, der dann die Supereruption nährt, ist durch Ereignisse gekennzeichnet, die über eine Vielfalt von Zeitskalen stattfinden. Nun konnten wir allerdings zeigen, dass der Dekompressionsprozess, der die Gasblasen freisetzt, die jene Eruption antreiben, weniger als ein Jahr vor der Eruption einsetzt.«

 

Um die Dauer dieser Endphase besser einschätzen zu können, untersuchten die beiden Wissenschaftler Ablagerungen von Quarzkristallen im Bereich des Bishop Tuff in Kalifornien. Hier gab es vor rund 767 000 Jahren einen gigantischen Vulkanausbruch, aus dem die Long Valley Caldera Zentralkaliforniens hervorging.

Der Bishop Tuff türmt sich aus 150 bis 200 Meter mächtigen Ascheschichten auf und bedeckt ein Gebiet von 2200 Quadratkilometern. Das entspricht immerhin beinahe der Fläche des Saarlands.

 

Die Frage war nun, wie lange vor der Eruption jene Quarze auszukristallisieren beginnen. Dieser Startzeitpunkt entspricht nach Ansicht der beiden Forscher genau dem Moment, ab dem auch der Druck in der Magmakammer steigt und die Eruption einsetzt. Früher glaubten Erdwissenschaftler an einen gemächlicheren Prozess.

Diese Kristalle, wie sie an den Oberflächenrändern von Orten solcher Superausbrüche zu finden sind, schienen sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte gebildet zu haben, bevor es dann zur Eruption kam (Vulkanausbruch in Deutschland – Die Vulkaneifel (Videos)).

 

Doch die neuen Ergebnisse zeigen: Die Zeitskalen können offenbar wesentlich kürzer ausfallen. Mit einer neuen Methode bestimmten die Forscher den Titangehalt im Kristall und schlossen daraus auf die Wachstumszeiten. Sie führten das Verfahren an 74 Proben durch und fanden Spannen zwischen rund einem Tag und 35 Jahren. Die Hälfte der Gebilde wuchs innerhalb von weniger als vier Tagen heran.

 

»Über 70 Prozent der Randwachstumszeiten liegen unter einem Jahr, was zeigt, dass die Quarzränder meist in den Tagen und Monaten vor der Eruption gewachsen sind«, so erläutern die Forscher. Damit gibt es eigentlich keine ausreichende Vorwarnzeit.

Supereruptionen sind vor allem wegen ihrer »Nebenwirkungen« global bedrohlich. Neben der unmittelbaren vulkanischen Zerstörungsgewalt werden vor allem die ausgeschleuderten gigantischen Aschemengen zur übermächtigen Gefahr. Sie blockieren das Sonnenlicht über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg und stürzen die Welt in einen tiefen, schier endlosen Winter.

 

Die größte bekannte Eruption der jüngeren Geschichte fand im Jahr 1815 statt, als der indonesische Tambora mit aller Gewalt ausbrach. Damals sanken die Temperaturen global ab, 1816 wurde berühmt als »das Jahr ohne Sommer« (Vor 200 Jahren: Der Vulkan und das „Jahr ohne Sommer“)

 

Immerhin eine gute Nachricht wollen die Wissenschaftler verbreiten: Derzeit sehe es nicht danach aus, als ob einer der Supervulkane wirklich in der nächsten Zeit für eine Hölle auf Erden sorgen wolle. Weder Yellowstone noch Toba stellen nach Ansicht der beiden Forscher eine Gefahr dar: »Soweit wir es ermitteln können, birgt gegenwärtig keiner dieser Orte den Typ eines an Schmelze reichen, riesigen Magmakörpers, der für eine solche Supereruption erforderlich ist«, so beruhigt Gualda, fügt allerdings hinzu:

 

»Es handelt sich aber doch um Orte, wo sich in der Vergangenheit Supereruptionen ereignet haben, und so sind sie auch die wahrscheinlicheren Orte für zukünftige Ereignisse dieser Art.« Und die neuen Erkenntnisse deuten nicht unbedingt darauf hin, dass es leichter geworden ist, sich auf solche Katastrophen vorzubereiten (Bevorstehende Naturkatastrophen: Panikmache oder unterschätztes Risiko? (Video)).

 

Weltweite Vulkanaktivität

11. Oktober

 

Shiveluch: Der nördlichste aktive Vulkan der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands, Schiwelutsch, hat eine Aschesäule von sieben Kilometern über dem Meeresspiegel in die Luft steigen lassen, meldet TASS unter Berufung auf die örtliche Eingreifgruppe. Eine drei Kilometer lange Rauchwolke zieht sich in östlicher Richtung. Bisher setzt sich der Rauchausstoß fort, am Lavadom ist ein Lawinenabgang zu beobachten.

Nach dem Ausbruch des Vulkans Aso im Südwesten Japans am 8. Oktober sind 27.000 Familien in den Präfekturen Kumamoto und Oita ohne Strom geblieben, weil die Vulkanasche und Regenfälle mehrere Anlagen außer Betrieb gesetzt hatten. Die Rauchsäule stieg in eine Höhe von elf Kilometern. In elf Städten regnete es Vulkanasche. Das war der erste Ausbruch seit 36 Jahren.

10. Oktober

 

Ätna: kleine Explosionen: In der Bocca Nuova gab es heute 2 kleine Explosionen die als Signale auf der Seismik zu sehen sind und von Dr. BB (Boris Behncke) bestätigt wurden. Zudem wurden einige schwache Erdbeben in geringer Tiefe registriert. Die Hypozentren liegen näher am Zentralkrater, als es bei dem Schwarmbeben Anfang des Monats der Fall war. Typischer Weise konnte man so eine Verlagerung der Hypozentren vor einigen Paroxysmen der Vergangenheit beobachten.

 

Aso: in der japanischen Präfektur Kumamoto sind Einzelheiten zur Aso-Eruption am Samstag bekannt geworden. Demnach stieg die Aschewolke tatsächlich mehr als 10 km hoch auch und driftete ziemlich weit übers Land. Ascheregen ließ einige Hausdächer einstürzen. Es soll sich um eine phreatische Explosion gehandelt haben, die durch überhitztes Grundwasser verursacht wurde.

Colima: in Mexiko ist der Colima weiterhin überwiegend effusiv tätig. Der Aa-Lavastrom hat fast die Basis des Kegels erreicht. Zudem kommt es zu gelegentlichen Ascheeruptionen.

Kilauea: Lava fließt weiterhin ins Meer, allerdings ist der weiter westlich gelegene „ocean entry“ inaktiv geworden und die Aktivität konzentriert sich auf das Lavadelta im Süden.

 

Zhupanovsky: auf Kamtschatka meldete sich der Vulkan nahe Petropavlovsk Kamchatsky zu Wort und erzeugte eine Aschewolke, die vom VAAC Tokyo registriert wurde.

 

06. Oktober

Die Vulkane in Kamtschatka sind schon seit einigen Wochen besonders aktiv. Allen voran stehen Shiveluch und Klyuchevskoy täglich in den Meldungen des VAAC Tokyo. Heute gesellte sich der Karymsky dazu. Um den entlegenen Vulkan war es in den letzten Monaten relativ still geworden, doch letzte Nacht meldete er sich mit 3 explosiven Eruptionen zurück. Vulkanasche stieg fast 3 km hoch auf.

Nahezu unverändert ist die Lage am mexikanischen Vulkan Colima: er generiert einen Lavastrom, der vom Dom aus geht, der über den Rand des Kraters quillt. Die effusive Aktivität wird von einigen Explosionen begleitet.

Am isländischen Vulkan Katla hat es wieder eine Handvoll Erdbeben gegeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 3,2.

 

Am Kilauea auf Hawaii warnt man vor einem bevorstehenden Kollaps am Lavadelta des „ocean entrys“. Dort haben sich in den vergangenen Tagen Risse gebildet. Die oberflächlichen Lavaaustritte 2 km landeinwärts sind erloschen.

04. Oktober

 

Fuego: nach einem weiteren kleinen Paroxysmus in der letzten Woche, ist die eruptive Aktivität immer noch relativ hoch. Täglich kommt es zu mehreren Explosionen in Guatemala.

 

Pico de Teide: vorgestern ereignete sich ein Erdbebenschwarm mit gut 100 Events auf Teneriffa. Die Hypozentren der schwachen Erdbeben erstreckten sich entlang einer Störungszone im Südwesten der Insel. Die Tiefe der Beben lag zwischen 11 und 6 km. ein ähnliches Ereignis gab es 2004.

 

Yellowstone: in der letzten Woche gab es eine Serie schwacher Erdbeben im Nordwesten des Nationalparks.

Laut der Internetseite volcanodiscovery sind aktuell 31 Vulkane im roten Bereich markiert und in einer eruptiven Phase. Gegenüber vorherigen Jahren 2014 und 2015 eine moderate Anzahl, die Aktivität lag damals bereits bei über 40 Vulkanen im roten Bereich.

 

Quelle: Pravda.TV