Gerüchte um Planetenfund: Zweite Erde um sonnennächsten Stern entdeckt?

Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel haben Astronomen der Europäischen Südsternwarte ESO ausgerechnet um den sonnennächsten Stern Proxima Centauri möglicherweise einen erdähnlichen Planeten entdeckt. Er sei vielleicht sogar bewohnbar. Die Rede ist bereits von einer wissenschaftlichen Sensation. Doch die Fachwelt hält sich bedeckt, eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht – nur eine anonyme Quelle. Könnte sich das Gerücht dennoch bewahrheiten?

Am vergangenen Freitagabend platzte gleichsam eine planetare Bombe, als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel die potenzielle Entdeckung einer Zwillingserde in unmittelbarer stellarer Nachbarschaft der Sonne meldete – direkt um den roten Zwergstern Proxima Centauri. Er befindet sich nur rund 4,24 Lichtjahre von uns entfernt, was ihn zum direktesten Sonnennachbarn macht.

 

Ausgerechnet dort soll nun ein Planet von Erdgröße entdeckt worden sein, der noch dazu in einem so günstigen Abstand um seinen Heimatstern kreist, dass flüssiges Wasser auf ihm existieren könnte. Und das wäre die wohl wesentlichste Voraussetzung für die Entstehung organischen Lebens. Ein echter Sensationsfund, wenn die Meldung wirklich zutrifft. Mittlerweile wurden rund 3500 Exoplaneten aufgespürt, darunter auch terrestrische Welten. Sie befinden sich allerdings in wesentlich größeren Distanzen zur Sonne als das Proxima-System.

 

Im vergangenen Jahr vermeldeten US-Astronomen die Entdeckung des bis dato »ähnlichsten Zwillings« unserer Erde: Kepler-452b. Dieser Planet ist rund 60 Prozent größer als die Erde, könnte aktive Vulkane besitzen, Ozeane und eine ähnliche Sonneneinstrahlung wie unser Heimatplanet erfahren, bei rund doppelter Oberflächenschwerkraft gegenüber der Erde und einem 385 Tage währenden Jahr. Die Spektralklasse seines Heimatsterns entspricht derjenigen der Sonne. Vielversprechende Übereinstimmungen also.

 

Mit 1400 Lichtjahren Entfernung liegt Kepler-452b allerdings weit jenseits dessen, was irdische Technologie heute zu überbrücken imstande ist. Natürlich gilt das auch für Proxima Centauri. Nach galaktischen Maßstäben bemessen gleichen beide Distanzen zwar einem Katzensprung, aber: Selbst »Proxima« befindet sich rund 271 000 Mal weiter von uns entfernt als die Erde von der Sonne! Unvorstellbar – und doch so nah!

 

Der lichtschwache Stern wurde trotz der »geringen« Distanz erst im Jahr 1915 entdeckt und als unmittelbarer Nachbar der Sonne identifiziert. Bis heute ist allerdings nicht klar, ob er gravitativ wirklich an das Alpha-Centauri-System gebunden oder lediglich Mitglied einer stellaren Bewegungsgruppe ist.

 

Die große Nähe zur Erde bot natürlich schon seit längerer Zeit genügend Anlass zur Suche nach möglichen Planeten, auch bei Proxima. So war diese kleine Sonne auch Primärziel der Space Interferometry Mission (SIM) der NASA. Dieses Projekt hätte alle Planeten nachweisen müssen, die zumindest dreifache Erdmasse besitzen und innerhalb der doppelten Sonnendistanz unserer Erde um ihren Stern kreisen. Die Mission endete dann im Jahr 2010 ohne konkretes Ergebnis.

 

Schon zuvor stießen Astronomen mit dem Hubble-Weltraumteleskop auf einen potenziellen Exoplaneten bei Proxima: 1998 registrierten sie ein verdächtiges Signal bei 0,5 Astronomischen Einheiten, was der halben mittleren Entfernung von der Erde zur Sonne entspricht. Doch weitere Hinweise blieben aus.

 

In jedem Fall dürfte ein Planet dort recht klein sein, denn größere Massen würden Proxima stärker um den gemeinsamen Schwerpunkt schlingern lassen, was entsprechend einfacher nachzuweisen ist. Zwischen Januar und April 2016 führten ESO-Astronomen das Projekt Pale Red Dot durch, um gezielt nach erdartigen Planeten um Proxima Centauri zu fahnden. Eine wissenschaftliche Arbeit hierzu wurde bereits bei einem renommierten Fachmagazin zur unabhängigen Begutachtung eingereicht.

 

Die Projektwissenschaftler erklären, nach jahrelangem Sammeln von Beobachtungsdaten tatsächlich ein Signal identifiziert zu haben, das auf die Existenz eines erdähnlichen Planeten um Proxima Centauri hinweist. Auch dazu liegt bislang allerdings keine sichere und endgültige Auskunft vor.

 

Erschwert wird die Arbeit dadurch, dass die Helligkeit des Sterns variiert und unregelmäßige Lichtausbrüche auftreten. Detaillierte Folgebeobachtungen sollen dazu beitragen, die Planetenfrage endgültig zu klären.

 

Laut Spiegel war die Suche tatsächlich erfolgreich. Das Magazin beruft sich allerdings auf eine anonyme Quelle, nicht auf offizielle Aussagen der ESO. Die erfolgreichen Beobachtungen seien mit einem ESO-Großteleskop des La-Silla-Observatoriums in Chile gelungen. Beim erwähnten Informanten handele es sich um einen an der Suche selbst beteiligten Astronomen. Er habe unter anderem erklärt: »Den kleinen Himmelskörper zu finden, war ein hartes Stück Arbeit. Wir bewegten uns an der Grenze des messtechnisch Machbaren.«

 

Auf Anfrage erklärte ESO-Sprecher Richard Hook, ihm sei der Spiegel-Bericht bekannt. Allerdings wollte er keinen weiteren Kommentar abgeben und lehnte es ab, die Meldung zu bestätigen oder zu dementieren. Sein einziger Kommentar: »Wir geben keinen Kommentar.«

 

Bislang existieren auch keine entsprechenden Embargo-Meldungen der ESO, wie sie bereits vor einer offiziellen Bekanntgabe zirkulieren. Den Gerüchten zufolge will die ESO ihren Fund allerdings zum Monatsende öffentlich bekanntgeben. Demnach dürfte also bald Konkreteres bekannt werden. Fest steht, dass eine solche Entdeckung absolut im Bereich des Möglichen liegt und nur »relativ sensationell« wäre, wenn auch wissenschaftlich von hoher Bedeutung. Weitere Informationen folgen, sobald es hierzu interessante Neuigkeiten gibt.

 

 

Quelle: Kopp Verlag