Geoengineering: So will China das Wetter kontrollieren und so machen es andere (Videos)

Sonderprogramm stellt 33 Millionen Euro bereit – Regen aus der Rakete. Mit einem millionenschweren Programm will die chinesische Regierung die Wetterbeeinflussung vorantreiben. 33 Millionen Euro stellte das Finanzministerium bereit, um Dürren zu verhindern. 60 Milliarden Kubikmeter Regen pro Jahr soll das Programm ab 2020 bringen.

 

Seit Jahrzehnten setzen die Chinesen Technologien ein, vor allem im regenarmen Norden des Landes, wo viel Getreide angebaut wird. Die Regierung versuchte auf diese Weise auch, vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 für blauen Himmel über Peking zu sorgen.

Regen aus der Rakete

Eine der Technologien ist die Herstellung künstlicher Regenwolken mittels Silberiodid. Dabei werden Wolken durch Beschuss – etwa aus Kanonen – mit feinem Salzstaub behandelt, um winzige Kondensationskeime zu erzeugen.

Diese sind die Vorstufe von Regentropfen: Wasserdampf kann sich an sie heften und sie so schwer machen, dass sie zu Boden fallen.

 

Effekte umstritten

In Wyoming (USA) wurde die Methode in einem Pilotprojekt getestet und brachte zwischen 5 und 15 Prozent mehr Niederschlag in einem Jahr. Trotzdem sind die Effekte der Wetter-Programme unter Wissenschaftlern umstritten.

Denn es ist schwierig, festzustellen, ob eine Methode erfolgreich war. Alan Robbock, Geophysiker an der Rutgers University in New Jersey, bringt es auf den Punkt: „Die Frage ist immer: Hätte es auch geregnet, wenn man nichts gemacht hätte?“ (CIA Direktor fordert öffentlich weltweiten Einsatz von Geoengineering (Video))

Wolkenimpfen: Wettermachen in Wyoming

 

Fünf Jahre dauerte das Experiment im US-Bundesstaat Wyoming. Fünf aufeinanderfolgende Winter von 2009 bis 2013. Fast 120mal warfen die Forscher in dieser Zeit ihre Generatoren in den Rocky Mountains an. Geräte, die jedes Mal Silber-Iodid freisetzten. Damit Aufwinde die feinen Salzpartikel in die Wolken emportragen und sie dazu bringen, mehr Schnee zu fabrizieren.

 

Jetzt liegen die Ergebnisse des bisher längsten Projektes dieser Art vor. Sie zeigen: Das sogenannte Impfen von Wolken funktioniert. Doch nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Der wissenschaftliche Leiter des Experiments, Roy Rasmussen, vom Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA:

 

 

„In unseren Feldversuchen konnten wir eine Zunahme des Niederschlags von bis zu 15 Prozent beobachten. Außerdem haben wir die Hälfte der Experimente zusätzlich im Computer simuliert, mit ziemlich ausgefeilten, dreidimensionalen Wolken-Modellen. Da waren die Ergebnisse ganz ähnlich. Sodass wir alles in allem sagen können: Das Impfen von Wolken bringt schätzungsweise 5 bis 15 Prozent mehr Niederschlag.“ (Geisterwolken und Chemtrails: Die weltweite Wettermanipulation ist bereits in vollem Gange (Video))

 


 

Silberiodid als Impfstoff

 

Das Experiment war klug konzipiert. Es lief in zwei parallel verlaufenden Gebirgszügen in der Nähe der Stadt Saratoga. Jedes Mal, wenn die Generatoren Silberiodid produzierten, geschah das nur in einem der beiden Gebiete. Im anderen schneiten die Wolken unbeeinflusst ab. So konnten die Forscher stets natürliche und manipulierte Schneemengen in derselben Region miteinander vergleichen. So etwas ist vorher noch nie gemacht worden, und das macht das Projekt in Wyoming so einzigartig.

 

 

Nicht immer gelang es dabei, das Silberiodid tatsächlich in die Wolken über den Rocky Mountains zu bugsieren. Obwohl die Salz-Generatoren ziemlich weit oben postiert waren, knapp 3.000 Meter hoch, wie Rasmussen sagt:

 

„So ein Generator schießt die Partikel nicht direkt in die Wolken. Sondern er verbrennt eine Lösung, die das Silberiodid enthält, und produziert so einen Rauch aus feinen Salzteilchen. Der wird in Bodennähe freigesetzt, und natürliche Luftströmungen müssen diesen Rauch in die Wolke transportieren.“

Man könnte die künstlichen Keime auch direkt in die Wolken eintragen. Per Flugzeug. Das ist aber sehr teuer. Nimmt man lieber die Rauchentwickler, müssen die meteorologischen Bedingungen absolut stimmen. Der Wind muss die richtige Richtung und Stärke haben. Zudem darf die Luft-Temperatur nicht wärmer als minus acht Grad sein, und in den Wolken muss Wasser dann noch flüssig vorhanden sein -„unterkühlt“, wie man sagt. Sonst kristallisiert nämlich kein Eis an den Silberiodid-Partikeln, und es kann auch nicht mehr Schnee fallen (Schleichende Aluminiumvergiftung durch Geoengineering: Die alltägliche Wettermanipulation).

 

Geringe Erträge

An den meisten Tagen ist es deshalb gar nicht möglich, Wolken erfolgreich zu impfen. Darauf verweist auch Terry Deshler, kürzlich emeritierter Professor für Atmosphärenwissenschaft an der Universität von Wyoming. Der Physiker war Berater bei dem Projekt:

 

„Eine Doktorandin von mir hat untersucht, wie häufig solche Bedingungen im Südosten Wyomings auftreten. Sie fand heraus: Nur an drei von zehn Wintertagen kann man überhaupt Wolken impfen. Und auch dann schneit es nicht immer! Das ist nur in jedem sechsten bis siebten Fall so. Wenn man also den ganzen Winter betrachtet, dann fällt die Niederschlagszunahme durch das Impfen von Wolken viel geringer aus. Nach unseren Schätzungen beträgt sie dann nur noch 1,5 bis 4,5 Prozent.“

 

Mehr Niederschlag durch künstliche Wolkenkeime aus Silberiodid – das Ganze funktioniert, wie der Langzeitversuch in den Rocky Mountains bestätigt. Nur ist der Effekt offenbar bescheiden.

 

Der Projektleitung war er dennoch groß genug, um ein dauerhaftes Wolkenimpf-Programm in Wyoming anzuregen. Dort ist der Schnee im Gebirge eine wichtige Ressource. Sein Schmelzwasser versorgt im Frühjahr Städte und Agrarbetriebe. Das Wolkenimpfen könne mehr davon liefern, zu den üblichen Marktpreisen für Wasser, sagen die Wissenschaftler. Ökologische Bedenken haben sie nicht. Die frei werdenden Silber und Iod-Mengen gelten als zu gering, um Mensch oder Umwelt zu schädigen (HAARP und Chemtrails: US-Wetterdienst warnte bereits Mitte Mai vor einem „deutschen Gewittersommer“ (Videos)). Langzeitfolgen sind bis heute nicht bekannt.

 

Zusammengefasst: Die Methode, die Wolken und damit das Wetter zu manipulieren, wird in rund 30 Staaten weltweit angewandt. Landwirte und Winzer sind nicht die Einzigen, die am Wetterrad drehen. In den USA und in Australien schützt man sich so vor Dürren. Wolken werden über Trockenzonen zum Ausregnen gebracht, damit Pflanzen und Tierwelt nicht dauerhaft Durst leiden. In Deutschland und der Schweiz wird die Methode angewendet um Hagelunwetter zu vermeiden.

 

In Russland wird alljährlich zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland der Sonne nachgeholfen. Störende Wolken werden Kilometer vor der Militärparadestrecke zum Abregnen gebracht. Gleiches versuchten die Chinesen 2008 bei den Olympischen Spielen. Sie statteten Anwohner der Stadien mit Flakgeschützen aus, die Silberjodid verballern sollten. Genützt hat das allerdings kaum, da die Injektionen zu unpräzise waren.

 

Video: 3sat Doku – Die Wolkeschieber in Russland, den USA und Deutschland