Angebliche Millionen-Petition gegen Brexit: Gefälscht und von Massenmedien gehypt

Nach der Abstimmung zeigen sich die Brexit-Gegner als schlechte Verlierer. Mal sind es die „bösen Alten“, die der Jugend die Zukunft rauben, dann heißt es, alle bereuen plötzlich ganz schrecklich ihre Wahl und wollen doch in der EU bleiben. Eine Internetpetition mit regem Zulauf dient dem Mainstream als ultimativer Beleg. Das Problem: Die Petition wurde massenhaft von Netzaktivisten getrollt, die zum Spaß fiktive Einträge generierten. 90 Prozent der vier Millionen Unterzeichner sind nicht real.

Es ist wohl auch ein Zeichen dafür, wie sehr Online-Journalisten teils die reale und die virtuelle Welt durcheinanderbringen. Was in der eigenen Peergroup auf Twitter trendet, wird schnell zum Thema von globaler Bedeutung aufgebauscht. In den oft inzestuös arbeitenden Mainstreammedien potenzieren sich die Beiträge dann und schon ist das Paralleluniversum erschaffen (Titelbild: Kim Il Sung unterzeichnet für den Bremain – wie auch 23.000 seiner nordkoreanischen Landsleute).

 

Geradezu albern wird dies allerdings, wenn deutsche Medien in den Tagen nach dem Brexit-Votum eine dubiose Internetpetition zum Thema umfangreicher thematisieren, als die eigentliche Abstimmung, nur weil das Ergebnis der Petition mehr den eigenen ideologischen Pro-EU-Ansichten entspricht. Und immerhin sei die Unterschriftensammlung ja auf der Internetseite des britischen Parlaments gehostet, habe also fast schon offiziellen Charakter.

Und dann die Zahlen: Schon fast vier Millionen Briten fordern eine Wiederholung des Referendums! Unter ihnen – angeblich – Hunderttausende, die zunächst für einen Austritt des Königreiches stimmten, bevor ihnen am Tag nach der Wahl erst klar wurde, was sie eigentlich angerichtet hatten. Statt Brexit also Bregret (britisches Bedauern).

 

Die perfekte Tragödie: Alles nicht so gemeint. Eine neue Abstimmung über den EU-Austritt Großbritanniens zwingt sich geradezu auf! So die Linie des Mainstreams in den vergangenen Tagen, nachdem die BBC mit besagter Petition groß aufmachte.

 

Wie ein Bericht der Netzpublikation Heatstreet  nun allerdings aufdeckt, waren es vor allem Internetspaßvögel, die die Bremain-Petition (britisches Verbleiben) mit eigens dafür programmierten Skripten trollten und so für hunderttausende gefälschte Einträge mit fingierten Adressdaten sorgten. Organisiert wurde das Ganze über das Imageboard 4chan, die Ursuppe, aus der einst die Anonymous-Bewegung entstand. Das Board ist legendär für seine Streiche.

 

An der Anti-Brexit-Petition auf der Seite des britischen Unterhauses dürfen eigentlich nur Staatsbürger Großbritanniens teilnehmen, doch eine Auflistung der Unterzeichner zeigt, dass rund 90 Prozent der eingegangenen Stimmen aus dem Ausland stammen und sich auf die auf 4chan losgetretene Welle zurückführen lassen.

Denn unter den Bremain-Verfechtern ist auch der tote ehemalige nordkoreanische Präsident Kim Il Sung zusammen mit 23.000 seiner Landsleute. Der Vatikan, in dem unter 1.000 Staatsbürger leben, beteiligte sich mit 50.000 Stimmen.

 

Auf dem Imageboard selbst machen sich die Anons derweil über ihren gelungenen Hack lustig, der es – weil es ja so schön klang – auf die Titelseiten aller Mainstreammedien des Westens schaffte. Einige der Aktivisten berichten stolz davon, ganz alleine für Stimmen im hohen fünfstelligen Bereich gesorgt zu haben. Davor zählte die Petition gerade einmal 22 Unterzeichner.

Die BBC zitiert ein Mitglied von 4Chan mit der Aussage: „Ich habe 33.0000-mal abgestimmt. Habe ein Skript laufen lassen während ich Duschen war.“ Noch-Premierminister David Cameron hatte in einem öffentlichen Statement bereits ausgeschlossen, dass es ein zweites Referendum zu der Frage geben wird.

 

Eine erste Analyse der Unterschriften hat ergeben, dass zahlreiche Signaturen aus Nordkorea, dem Vatikan und der Antarktis stammen. Das Parlament hat nach Angaben der BBC bereits 77.000 irreguläre Unterschriften entfernt.

 

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Auch die Internetseite der Tagesschau berichtet mittlerweile kleinlaut davon, dass es bei einem Test ganz leicht war mit erfundenen Adressdaten eine Unterzeichnung beizutragen, die dann auch gezählt wurde. Doch es ist jetzt schon abzusehen, dass all die Medien, die in den vergangenen Tagen groß mit der gefakten Petition aufgemacht haben, allenfalls in einer Randmeldung erwähnen werden, wie die Unterschriften überhaupt zu Stande kamen (Brexit: Deutsche Medien massenhaft auf gefälschte Wettquoten reingefallen? (Videos)).

 

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In den meisten Fällen wird die Story wohl einfach fallengelassen und man wird die nächste Geschichte aus dem Hut zaubern, die legitimieren soll, das britische Votum nicht zu respektieren.

Die Linie ist klar: vorbereitet mit geballter Medienmacht soll die Umsetzung des Referendumsergebnisses endlos verzögert oder gar die Abstimmung wiederholt werden. Wie immer sind sich die beteiligten Medien nicht zu schade, ihre Restglaubwürdigkeit in die Waagschale zu werfen, um ihren politischen Auftrag beflissentlich zu erfüllen.

 

Besonders amüsant wird es aber, wenn – wie im vorliegenden Fall – größtenteils minderjährige 4chan-Skript-Kiddies die Kulisse des miserablen Schauspiels zerschlagen.

Auf der Insel nimmt man das Ganze derweil mit britischem Humor. Ein BBC-Parodie-Account verbreitet nun auch eine Petition, welche die Wiederholung des Spiels England gegen Island fordert, bei dem sich das Königreich gestern aus der Euro 2016 verabschiedete. Vielleicht klappt das ja wenigstens.

 

Literatur:

Gekaufte Journalisten von Udo Ulfkotte

Das Medienmonopol: Gedankenkontrolle und Manipulation der Dunkelmächte von M. A. Verick

Lügenpresse von Markus Gärtner

verraten – verkauft – verloren?: Der Krieg gegen die eigene Bevölkerung von Gabriele Schuster-Haslinge

 

Quellen: Pravda.TV/deutsch.rt.com/golem.de