Die Plastikbedrohung

Wale, die mit vollem Magen verhungern, weil sie unverdauliche Plastikplanen gefressen haben, Seevögel, die sich in den Steilwänden Helgolands an Netzresten strangulieren, Robben mit zentimetertiefen Wunden durch Plastikabfälle, die ihnen immer tiefer ins Fleisch schneiden. Der einst so gepriesene Werkstoff ist zum Fluch des Planeten geworden.

Was bei den Tagesthemen schon fast wie ein neu erschlossener Markt vermittelt wird, ist in wirklichkeit noch viel verheerender. In den Ozeanen haben sich fünf riesige Müllstrudel gebildet, einige so groß wie die Fläche von West-Europa. Plastikmüll belastet inzwischen Teile der Meeresböden und dringt sogar in die arktische Tiefsee vor.

Plastikteile ziehen Giftstoffe an

Plastik ist langlebig, wird aber im Laufe der Zeit porös und zerfällt in immer kleinere Fragmente. Hinzu kommt Mikroplastik aus Kosmetikproduktenund Reinigungsmitteln, das mit dem Abwasser in Flüsse und Meere gelangt. Die für das Auge unsichtbaren, winzigen Plastikteile schwimmen längst innahezu allen Gewässern und sie ziehen Giftstoffe an.

Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts haben eine Inventur der Nord- und Ostsee begonnen, die klären soll, wie hoch die Plastikbelastung bei uns ist. Sie haben keine guten Nachrichten: In der Nordsee bilden sich bereits erste Plastikteppiche aus mikroskopisch kleinen Teilchen. Oft ist Plastikmüll so klein, dass man ihn nur unter dem Mikroskop erkennen kann.

Plastik in Duschgels, Peelings und Zahncremes?

Im Meer entsorgter Plastikmüll zerfällt über Jahrzehnte und oft sogar Jahrhunderte in mikroskopisch kleine Teile. Das Plastik kann aber auch anderen Ursprungs sein: Einige Hersteller verwenden unnötigerweise Plastikkügelchen in Pflegeprodukten, zum Beispiel Duschgels, Peelings und Zahncremes. Aber auch Textilien, zum Beispiel Fleece-Jacken, sind aus Kunststoff. Pro Waschgang lösen sich etwa 2.000 Plastikfasern ab.

Mikroplastik wird Teil der Nahrungskette

Über das Abwasser gelangt das Mikroplastik ungehindert in die Flüsse und dann ins Meer. Dort werden die Plastikpartikel zum Beispiel von Muscheln, Krebse und Fischen aufgenommen. Die Partikel werden dadurch Teil der Nahrungskette, an deren Spitze der Mensch steht. Wissenschaftler sind alarmiert: "Wir können davon ausgehen, dass Mikroplastik schon überall in der Atmosphäre zu finden ist", sagt der emeritierte Professor Gerd Liebezeit von der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg. Der Experte für Chemie und Biologie des Meeres hat mikroskopisch kleine Plastikkugeln bereits in Honig und Regenwasser nachgewiesen.