Magic Mushrooms: natürliches Wundermittel gegen psychische Leiden?

Wir Unerfahrenen kennen sogenannte Magic Mushrooms eher als Zauberpilze und halten jene für halluzinogene Drogen, die außer heftigen Trips dem Menschen nicht viel bieten können.

 

Beschäftigt man sich mit jedoch mit diesen Magic Mushrooms und ihrem Wirkstoff Psilocybin genauer, so fällt auf, dass die halluzinogenen Pilze neuerdings sogar in der medizinischen Forschung zum Einsatz kommen und nach ersten Studienergebnissen ein wahrlich sensationelles Potential in sich bergen...

Zauberpilze sollen mit großer Erfolgsquote gegen Depressionen und andere psychische Leiden wie Süchte, Ängste, Zwangsstörungen im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten ebenso überdurchschnittlich helfen, wie gegen Cluster-Kopfschmerzen und andere psychosomatische Erkrankungen!

 

Solcherart Forschungsergebnisse im deutschsprachigen Raum zu finden, ist jedoch nicht einfach – einmal jährlich taucht vielleicht eine kleine Meldung in der Zeitung auf, doch die größte Informationsquelle stellen entsprechende Magic MushroomsSzeneseiten, die all diese Untersuchungen gebündelt darstellen und Verknüpfungen zueinander herstellen. Im Mainstream scheint das Thema, oh Wunder, noch nicht angekommen zu sein.

Magic Mushrooms gegen psychische Leiden

In einer Studie der Johns Hopkins University (Maryland) haben Wissenschaftler im “Journal of Psychopharmacology” neueste Erkenntnisse zur Therapiemöglichkeit mittels Psilocybin publiziert: Die durch einen einzigen (!) Magic Mushrooms-Trip gewonnenen positiven An- wie Einsichten in Form von progressiver Aufgeschlossenheit und neuen Sichtweisen samt Lösungen eigener Probleme seien selbst ein Jahr nach dem Konsum als quasi selbst etablierte Änderung der Persönlichkeitsstruktur noch nachweisbar! Dieser Effekt könne demnach dazu genutzt werden, langjährig angestaute psychische Störungen wie Zwänge, Ängste, aber auch Depressionen erfolgreich zu behandeln – vor allem dann, wenn herkömmliche Psychopharmaka versagen.

Mit Magic Mushrooms gegen Suchterkrankungen

Wissenschaftler der gleichen Universität haben in einer anderen Studie festgestellt, dass 2 bis 3 niedrig dosierte Einnahmen des Magic Mushrooms Wirkstoff Psilocybin genügen, um in Ergänzung zu herkömmlicher Psychotherapie Nikotinsüchtigen dergestalt zu helfen, dass 80% von ihnen ihre Sucht überwinden konnten – vergleichbare Therapieansätze wie Nikotinpflaster haben lediglich eine Erfolgsquote von 35%! Die Forscher fanden zur suchtbekämpfenden Wirkung von Magic Mushrooms heraus:

 

„Die fast schon aufgezwungene Selbstreflexion eines Zauberpilzrausches kann das eigene Denken respektive Weltbild fundamental verändern, und im Zusammenhang zum Vorhaben das Rauchen aufzugeben unter Einbeziehung weitergehender Therapiemaßnahmen schließlich unerschütterlich zementieren.“

 

Ganz offensichtlich eignen sich Zauberpilze (in klinisch richtiger Dosierung) also zur Behandlung von Süchten und Suchterkrankungen aller Art, da sie neuartige, ungeahnte innere Türen im Betroffenen zu öffnen scheinen und somit den für eine Überwindung von Süchten wie auch anderen psychischen Erkrankungen notwendigen Paradigmenwechsel ermöglichen.

 

Psilocybin und MDMA

 

In dem Crowdfunding Projekt „Emmasofia“ untersuchen zwei skandinavische Wissenschaftler zudem weitergehende medizinische Möglichkeiten sowohl von MDMA (Ecstasy Wirkstoff) als auch von Psilocybin (Magic Mushrooms Wirkstoff). Sie proklamieren:

 

„Die medizinischen Einsatzmöglichkeiten für den Wirkstoff von Zauberpilzen (Psilocybin) umfassen laut Krebs und Johansen bspw. die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen, Zwangsstörungen und Ängsten, während MDMA helfen könnte, posttraumatische Belastungsstörungen, allgemeine Psychotherapie und die Parkinson-Krankheit zu behandeln.“

 

Überdosierungen sind hierbei nach Aussagen der beiden Forscher auszuschließen, da die geringe Wirkstoff-Dosis für einen „Trip“ nicht geeignet sei und Missbrauch nur schwerlich ohne Absicht geschehen könne.

 

Da sich diese Magic Mushrooms Forschungen laut einschlägigen Blogs und Literatur aber erst im Anfangsstadium befindet, kann die Einführung eines marktreifen Medikaments auf Psilocybin-Basis noch viele Jahre dauern – das aus bisherigen Studien hervorgehende Potential scheint aber enorm und lässt viele Betroffene hoffen. Immerhin gehört die rituelle Heilung mittels halluzinogener Pilze seit Jahrtausenden zur schamanischen Praxis vieler Kulturkreise (s.u.).


Aus diesem Grund des umwerfenden Heilungspotentials solcher Pilze liest man bei der Recherche auch immer wieder von Leuten, die selbstständig als Art Eigentherapie Magic Mushrooms konsumieren, bspw. zur Bekämpfung ihrer Nikotin-Sucht. Sie beschreiben ihre Zauberpilz-Erfahrung wie folgt:

„Ich treffe auf den Teil meines Inneren, der für das Rauchen verantwortlich ist, und rede ein ernstes Wörtchen mit ihm. […] Als ich gefühlte Millionen Jahre später wieder in die Realität zurückfinde, ist Rauchen nur noch etwas, das andere Menschen machen. Die Illusion ist zerstört, der Drang ist verschwunden. Wenn ich [heute] jemanden rauchen sehe, verspüre ich rein gar nichts mehr.“ [more at Vice]

Spitzkegeliger Kahlkopf: Der „Deutsche Zauberpilz“

Solche eigentherapeutischen Unternehmungen geschehen selbstverständlich auf eigene Gefahr – psychisch labile Menschen sollten natürliche Magic Mushrooms (ohne klinisch exakt abgemessene Dosis wie bei einem Medikament) nicht eigenmächtig und schon gar nicht alleine ohne eine vertraute Aufsichtsperson konsumieren.

 

Hinzu kommt, dass die halluzinogenen Zauberpilze in Deutschland verboten sind! Wer also nicht das Glück hat, neben der holländischen Grenze zu wohnen (in den Niederlande sind Magic Mushrooms legal), könnte mit etwas Glück auch in Deutschland bzw. Mitteleuropa wild wachsende Zauberpilze finden – sie heißen „Spitzkegeliger Kahlkopf“ und finden sich im Herbst bevorzugt auf Kuhweiden. Die Quellen schreiben hierzu:

„Der spitzkegelige Kahlkopf wächst bevorzugt auf Wiesen mit alten Dungablagerungen und an grasigen, nährstoffreichen Stellen (Weiden). Er ist im Flachland von Norddeutschland genauso anzutreffen wie auf den Wiesen in den Mittelgebirgen und den Almen der Alpenländer. Im Wald wurde er bisher nicht gefunden. Spitzkegeliger Kahlkopf Vorkommen scheinen also als eine Art Kulturfolger des Menschen relativ häufig vorkommen zu können. Seine Fruchtkörper reifen bereits im Spätsommer und Frühherbst. Als besonders gute Orte zum Kahlkopf sammeln in Amerika gelten die gemäßigten Zonen im Nordwesten; in Europa kann man die Kahlköpfe am besten in den Schweizer Alpen, Valcamonica, der Rhön und Wales finden.“

Laien sollten sich jedoch laut allen auffindbaren Quellen sehr in Acht nehmen, ohne Pilzkenntnisse auf die Suche nach dem Spitzkegeligen Kahlkopf zu gehen; zu groß scheint die Verwechslungsgefahr mit wirklich giftigen Arten. Auch wäre eine Überdosierung wahrscheinlicher als bei den handelsüblichen Stropharia Cubensis.

 

Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich auf die Jagd nach dem spitzkegeligen Kahlkopf macht, einen Urlaub in Holland plant oder auf die Magic Mushrooms Selbsttherapie solange verzichtet, bis die klinische Forschung marktreife Medikamente auf Basis des Psilocybins entwickelt hat.

Fazit: Magic Mushrooms vor Wiederentdeckung als Heilmittel

Historisch gesehen gehören halluzinogene Pilze jedenfalls seit Anbeginn der Menschheit zum Repertoire schamanischer und natürlicher Heilkünste – in allen Kulturen bewirkte der Konsum der Zauberpilze den heilsamen Kontakt mit den wahlweise eigenen Ahnen, Geistern, Göttern oder dem höheren Selbst. Manche Kulturwissenschaftler behaupten sogar, dass Magic Mushrooms “und hier vor allem psilocybinhaltige Pilze der Art Psilocybe cubensis der induzierende Katalysator in der Evolution der Primaten (!!!) war[en], durch den die Affen zu Menschen wurden.”

 

Diese in der Tat äußerst grenzwissenschaftliche Hypothese von Terence McKenna kann hinsichtlich ihrer Tatsächlichkeit wohl kaum verifiziert noch falsifiziert werden – unbestritten bleibt letztlich die Erkenntnis, dass halluzinogene Pilze die Menschheit von jeher begleiten und die heutige Wahrnehmung von ihnen als „wertlose (gar gefährliche) Drogenpilze“ durch die Gesellschaft nicht aufrecht erhalten werden kann. Ihr Potential als seelisches Allzweck-Werkzeug dringt immer mehr auch in die herkömmliche Medizin vor und in einigen Jahren ist Psilocybin basierte Arznei vermutlich auch für Kassenpatienten (wieder) verfügbar – nachdem der Umgang mit ihnen in Form des Spitzkegeligen Kahlkopfes hierzulande eine historisch lange Zeit tabuisiert worden war…

 

weitere Literatur und Quellen:

 

Quelle: Grenzwissenschaft